SUMMA 2026: Die ein bisschen sehr besondere Weinmesse

Wer hauptberuflich in der Weinbranche tätig ist, weiß: Es gibt Messen, die besucht man zum
Arbeiten – und es gibt die Summa. Sobald man durch die Tore in Margreid tritt, fällt der
geschäftige Lärm der Branche sofort ab. Mara Feißt, Diplom-Sommelière und seit heuer im Social-
Media-Redaktionsteam des Wirtshausführer dabei, fasst ihre ganz persönlichen Eindrücke von
dieser ganz besonderen Boutique-Weinmesse in Südtirol zusammen.

Die Familie Lageder lädt nun schon seit 27 Jahren zu diesem Event, und was ich besonders schätze:
Hier wird Gastfreundschaft nicht nur behauptet, sondern mit einem fast schon leidenschaftlichen
Idealismus gelebt. Es fühlt sich nie nach einer lauten Messehalle an, sondern wie ein liebevoll
geplantes Hoffest bei und mit Freunden.

Gastfreundschaft als gelebter Idealismus

Beeindruckend ist dabei zunächst die sorgfältige Kuratierung der teilnehmenden Weingüter. Diese wird von der Familie Lageder nach den Prinzipien der nachhaltigen Bewirtschaftung, einem kompromisslosen Anspruch an höchste Qualität und Mut zur Experimentierfreude gestaltet. Ein Dreigespann, dem das Familienweingut in sechster Generation auch in der eigenen Weinproduktion mit jedem Jahrgang folgt. Die Biodynamie ist dabei kein Pflichtkriterium, aber sie prägt diese Messe als Grundhaltung.

Genuss mit Haltung: Ein Zeichen für ZEBRA

Dass dieser Idealismus keine bloße Fassade ist, zeigt sich spätestens beim Blick auf den wohltätigen Kern der Veranstaltung. Die Summa ist kein reines Business-Event: Die Erlöse kommen dieses Jahr der Südtiroler Straßenzeitung ZEBRA zugute. Damit unterstützt die Familie Lageder ein Projekt, das Menschen am Rande der Gesellschaft soziale Teilhabe und eine sinnstiftende Arbeit ermöglicht. Es ist dieses Bewusstsein für Verantwortung, das den Austausch in den historischen Mauern von Casòn Hirschprunn und dem Ansitz Löwengang so besonders macht.

Internationale Entdeckungen und deutsche Präzision

An den zwei Tagen nutzen bis zu 2.000 Besucher die Möglichkeit für persönliche Gespräche mit über 100 Winzer:innen. Stark vertreten sind Weingüter aus Italien — große Namen wie Foradori, Occhipinti oder COS trafen auf eine Vielzahl für mich noch unbekannter Größen. Toll war auch die Präsenz aus Frankreich, Osteuropa und sogar Übersee, etwa Otronia aus Patagonien oder Château Musar aus dem Libanon.

Doch auch dieses Jahr habe ich viel Zeit bei den deutschen Weingütern verbracht. Große Klasse, wie erwartet: die Rieslinge von Breuer, Bürklin-Wolf, Clemens Busch, Odinstal oder Wittmann. Eine echte Entdeckung waren die Spätburgunder und Lemberger von Schnaitmann aus Württemberg. Und zum ersten Mal im Glas: Spätburgunder von Bertram-Baltes aus dem Ahrtal, die in ihrer Frische blind kaum von einem Riesling zu unterscheiden sind. Ein Rotwein im Weißweingewand? Gewaltig!

Klassenfahrt-Feeling und die „Berliner Außenstelle“

Was mich besonders stolz macht: die starke Präsenz der zahlreichen Vertreter:innen aus Österreich. Es ist ein wichtiges Ausrufezeichen: Unsere Top-Weingüter beweisen hier eindrucksvoll, dass Qualität und nachhaltige Bewirtschaftung längst Hand in Hand gehen. Dabei fühlt sich die Zeit in Margreid jedes Mal ein bisschen wie eine Klassenfahrt an – man kennt sich, man freut sich über das Wiedersehen, man plaudert und kostet gemeinsam.Ein besonderes Highlight: Österreich Wein hat sich mit unserer Berliner „Außenstelle“, der legendären Bar Freundschaft, zusammengetan.

Gemeinsam haben sie gezeigt, was wir am besten können: Die Leute mit erstklassigen Weinen begeistern und mit dem wohl erfrischendsten Spritzer weltweit in Stimmung bringen. Ein guter Spritzwein ist und bleibt eben der beste Messeproviant – auch in Italien. Die heimischen Highlights (u.a. Sattlerhof, Krutzler, Ernst Triebaumer, Prieler, Ott, Umathum, Malat, Feiler-Artinger, Hajszan Neumann, Jurtschitsch) hebe ich mir für den Bericht von der Vievinum auf – aber so viel sei verraten: Jeder Schluck saß.

Kulinarik zwischen Fine Dining und Tradition

Zuletzt möchte ich die unglaubliche kulinarische Umsorgung nicht unerwähnt lassen, denn das Credo lautet hier: Wer kostet, muss auch essen. Dieses Jahr sorgte unter anderem die Mochi-Außenstelle aus Bozen für moderne Highlights, ergänzt durch erstklassige Grillage Südtiroler Produzent:innen und Trota Ora aus dem Trentino, um nur wenige Highlights zu nennen.

Doch was mich am maßgeblichsten beeindruckt und fast schon geprägt hat: die frisch ausgebackenen Apfelküchle der Margreider Bäuerinnen

Es ist genau dieser Mix aus internationaler Spitzenklasse und tief verwurzelter, ehrlicher Tradition, der die Summa so einzigartig macht.