Es mag seiner ruhigen Art geschuldet sein, dass Thomas Kopfensteiner sich eher unauffällig ins Spitzenfeld der südburgenländischen und damit überhaupt der „Blaufränkisch-Winzer“ dieses Landes herangepirscht hat. Ich selbst koste Kopfensteiners Weine schon seit etlichen Jahren und für mich ist klar, dass man seinen Namen mittlerweile in einem Atemzug mit Reinhold Krutzler und Uwe Schiefer nennen muss, wenn es um die Qualität der Weine geht. Schick sind mittlerweile auch die Etiketten – Flaschen, zu denen man schon vom optischen Eindruck her gerne greift.
Zu den geschmorten Schweinsbackerln suchte ich einen Wein mit Struktur, der aber nicht zu mächtig ist – und wurde beim jugendlich-würzigen Eisenberg DAC 2015 (natürlich Blaufränkisch) fündig. Zu diesem rustikalen Gericht braucht es nicht den Top-Wein, wie etwa Saybritz, sondern einen animierenden Kompagnon mit feinem Gerbstoff und durchaus auch einer Portion Säure. Voraussetzungen, die dieser gute Tropfen, der übrigens von Minute zu Minute im Glas zugelegt hat, perfekt erfüllt. Genügend Kraft um der dichten Aromatik der Schweinsbackerln paroli bieten zu können aber auch kühle, erfrischende Würze und eben jene kleinen Widerhaken von Tannin und Säure, die für einen fröhlichen Trinkfluss sorgen. Kurzum: Ein charaktervoller, vom Terroir geprägter Wein, der unkompliziertes Trinkvergnügen auf hohem Niveau bietet.
Zu einer Suppe muss man nicht unbedingt noch etwas trinken, da man ja ohnehin schon Flüssigkeit zu sich nimmt. Bei einer dichten, aromatischen Suppe wie einer Klachlsuppe kann man aber auch einmal eine Ausnahme machen, zumal gerade die Steiermark hier einen perfekten Weinbegleiter zu bieten hat: Den Welschriesling. Einer der besten und vielfach ausgezeichneten stammt vom Weinhof Platzer in Tieschen in der Südoststeiermark. Kühl, geradlinig mit feiner Würze und animierender Frucht ist der 2016er Klassik ein frisches Ausrufezeichen und zugleich ein Kontrapunkt zur heißen, dampfenden Suppe. Ein Wein, der eigentlich immer Spaß macht und natürlich genauso gut als Aperitif oder Begleiter zu einer guten Jause getrunken werden kann.
Zu einem herzhaften Gericht wie es „Tiroler Schlipfkrapfen nach Opas Art“ sind braucht es etwas Leichtfüßiges, dachte ich mir. Jung, mit nicht zuviel Alkohol aber einer erfrischenden Säure als Kontrapunkt zu Butter, Käse & Co. Da war der Grüne Veltliner Burgberg Federspiel 2016 vom Weingut Karl Lagler in Spitz genau der richtige Kandidat. Freilich erwies sich dieser Wein nicht etwa als junger, rescher Durstlöscher, sondern zeigte eine fein gewobene Mineralik und eine perfekt gereifte, geradezu milde Säure, was für die Ausgewogenheit dieses Jahrgangs spricht. Doch nicht nur in sich weist dieser Wein eine wohl abgestimmte Harmonie auf – auch mit den Schlipfkrafpen ergab sich eine friedliche, harmonische und absolut genussvolle Koexistenz.
Über die Frage des perfekten „Gänseweins“ habe ich lange nachgedacht, wobei der sprichwörtliche Gänsewein, also Wasser, natürlich nie zur Debatte stand. Der traditionell gern zitierte „Staubige“ war ebenfalls bald aus dem Rennen, weil erstens schwer zu bekommen und zweitens muss man aus heutiger Sicht wohl sagen, dass die Leute diesen im Spätherbst eben getrunken haben, weil nichts anderes da war und nicht etwa weil er ihnen so besonders gut geschmeckt hätte. Die Frage, ob weiß oder rot, ist schon schwieriger zu beantworten, wobei ich auf dem Standpunkt stehe, dass beides möglich ist. Hier sollte man aus seinen persönlichen Vorlieben keinen Hehl machen und einfach fröhlich drauflos bestellen oder aufmachen, was einem eben am besten schmeckt. Die ganz kräftigen, roten Tanninhämmer würde ich freilich ausschließen, denn die hauen die Gans gleich noch einmal tot, ebenso zu leichtgewichtige Weißweine, die wie ein Silberglöckchen am Abendhimmel ungehört verklingen.
Die Wahl fiel mit dem Leithaberg DAC 2016 Chardonnay vom Weingut Esterházy schließlich auf einen Wein, der jugendliche Leichtigkeit und Substanz verbindet. Durchaus frisch in der Anmutung, wenngleich aufgrund seiner Herkunft nicht auf der fruchtigen, sondern eher auf der würzigen Seite, zeigte er am Gaumen eine fokussierte Mineralik mit dezent salzigen Anklängen und entsprach so ganz dem Bild des spannungsgeladenen aber keineswegs vordergründigen Weintyps, der momentan zu Recht sehr en vogue ist. Der Wein fand bei der großen Gästeschar jedenfalls ungeteilte Zustimmung, so dass ich – des wissenschaftlichen Vergleiches wegen – auch noch seinen Vorgänger vom Jahrgang 2010, den Chardonnay von der Ried Lama, geöffnet habe; doch das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
Einer Wein- oder Getränkeempfehlung geht immer eine Annäherung voraus, wobei im gegenständlichen Fall zwei fixe Parameter die Entscheidung erleichtert haben. Zu einem Rieslingbeuscherl kann man natürlich auch einen Grünen Veltliner oder Zweigelt trinken, wenn man will aber so ein trotziger Fundamental-Oppositionieller bin ich nicht. Also, ganz klar: Riesling. Und da wir beim Mittagessen sieben Personen und ein Vierterl vom Wein ja bereits mit dem Beuscherl mitschmurgelt, war das Gebinde der Wahl natürlich eine Magnum. Fündig wurden wir in Weißenkirchen in der Wachau, beim Weingut von Heidi und Roman Jäger, die mit dem Riesling Smaragd Steinriegl 2016 ein wahres Meisterstück abgeliefert haben.
Für mich in der Frühverkostung im Februar 2016, also noch nicht auf der Flasche, ganz klar ihr bester Wein des Jahrgangs, der bei diesem Mittagessen seine Topform erneut bestätigt. Charmant und einnehmend im Duft mit einer betörenden, leicht ins Exotische gehenden Fruchtfülle, unterlegt von einem zarten Süßehauch entwickelt er am Gaumen eine herrliche Fülle und wirft in verschwenderischer Frucht nur so um sich, wobei im Hintergrund eine straffe Mineralik für Struktur sorgt. Ein Wein, der jetzt schon schwerstens in seiner Existenz gefährdet ist, bei dem sich aber Zurückhaltung ebenso auszahlen würde. Für diese Flasche ist es jedenfalls zu spät und wir haben keinen Schluck bereut, denn die Kombination mit dem Beuschel gereichte beiden Beteiligten zur höchsten Ehre.
Mehr als 100 Winzer aus den DAC-Gebieten des Burgenlandes präsentierten ihre aktuellen Top-Weine sowie gereifte Weine aus ihren Archiven im Wiener MAK. Die Präsentation der burgenländischen Herkunftsweine brachte neben dem grandiosen Jahrgang 2015 auch spannende Trends und Entdeckungen. Wir waren vor Ort, haben sehr vieles verkostet und präsentieren hier einige unserer Favoriten.
Josef Reumann und Maria Reumann beweisen mit ihrem 2015er Blaufränkisch Original Deutschkreutz, dass auch Klassik-Weine mit feiner Würze viel Trinkfreude bereiten können. Mit der DAC Reserve Ried Altes Weingebirge 2015 zeigten sie aber dass da noch mehr geht.
Große Freude bei Andrea Lang: Die 2015er Top-Rotweine wie Mittelburgenland DAC Reserve Blaufränkisch L 1 und Cuvée Excelsior bereiten bereits jetzt mächtig Trinkvergnügen – und der gereifte Blaufränkisch V-Max von 2012 zeigt das enorme Potenzial dieser Weine.
Clemens Reisner vom Weingut Hans Igler spielt die Klaviatur des Blaufränkischen virtuos, entwickelt aber auch Klassiker des Betriebes wie die Cuvée Vulcano stilistisch weiter; weniger Holz, mehr Struktur und damit forderndes Trinkvergnügen für Fortgeschrittene.
Die ehemalige Genossenschaft Domaine Pöttelsdorf befindet sich seit einigen Jahren im Besitz der Familien Schandl und Kurz und Markus Kurz präsentierte eine schöne Serie von Weinen mit frischer Aufmachung und modernem Stil. Ein Betrieb, den man im Auge behalten sollte.
Den burgenländischen Wein hochleben lassen: v.l. Wirtshausführer Herausgeber Klaus Egle, Wein-Burgenland-Geschäftsführer Christian Zechmeister, Präsident des burgenländischen Weinbauverbandes Andreas Liegenfeld, Weinkönigin Anna I., Daniel und Lotte Adrian, Landesrätin Verena Dunst und Wein-Burgenland Obmann Matthias Siess.
Thomas Straka hat mit seinem Welschriesling „Prantner“ von uralten Rebstöcken einen Geheimfavoriten im Talon, der zeigt, warum Rechnitz immer als Top-Gebiet für diese Rebsorte galt. Dazu gibt es Rotweine von kühler Mineralik und ein spannendes Experiment namens „Stratos“ von alten Zierfandler- und Welschrieslinglagen im ungarischen Pecs.
Paul Rittsteuer ist einer der jungen Winzer vom Neusiedlersee, die immer stärker auch mit Weißweinen punkten: Mineralisch, salzig und trinkanimierend sein Grüner Veltliner Alte Reben 2016, gelbfruchtig-saftig mit opulenter Frucht und zarter Holznote der Chardonnay Ried Lehmgruben 2015.
Johannes Nehrer, der die Staffette im Familienbetrieb übernommen hat, ist mit beeindruckend komplexen Rotweinen wie den Blaufränkischen Leithaberg DAC rot Riede Feurer 2013 (vom Kalkboden) oder dem 2011er Riede Poschen (vom Urgestein) endgültig in der Top-Liga der heimischen Rotweinproduzenten angekommen.
Julia Wachter präsentiert die Weine von Christoph Wachter-Wiesler und die sprechen quasi für sich: Feine Klinge aus dem Südburgenland, die dennoch überall durchdringt. Finesse, Eleganz und Struktur, die an Burgund erinnern und doch auch die kraftvolle Erdigkeit der Lagen von Deutsch-Schützen und Eisenberg. Eindrucksvoll.
Eine Runde Sache: Der SALON Österreich Wein, Österreichs härtester Weinwettbewerb, feiert sein 30-jähriges Jubiläum. Mit einer Gala und mit drei großen Präsentationen in Wien, Linz und Hall in Tirol, wo Weinfreunde die Möglichkeit haben, alle 270 SALON-Weine zu verkosten. Mit dabei natürlich auch die 10 SALON-Auserwählten und 16 SALON-Sieger die gestern im Rahmen der SALON-Gala im Palais Niederösterreich in Wien präsentiert wurden.
Der SALON steht für Qualität
Nicht umsonst genießt der SALON Österreich Wein den Ruf, der härteste Weinwettbewerb des Landes zu sein. Die Basis dafür bilden die Landesweinerkostungen in Niederösterreich, dem Burgenland, der Steiermark und Wien, wo heuer mehr als 7.000 Weine auf dem Prüfstand waren. Aus diesen wurden die rund 350 besten für die Finalverkostung nominiert bei der auch ca. 100 Sekte verkostet wurden, die von den Produzenten direkt eingereicht werden können. Bei dieser Finalverkostung bleiben 210 SALON-Weine und 20 SALON-Sekte übrig, die restlichen 40 SALON-Weine nehmen ihren Weg durch Nominierungen von Sommelier, Fachmagazinen und Fachjournalisten. Die 10 meistgenannten dieser Nominierung sind dann die „SALON Auserwählten“, während die 16 SALON-Sieger die jeweils bestbewerteten Weine der jeweiligen Sorte/Kategorie in der Finalverkostung sind.
Beim Wein treffen sich Winzer und Weinjournalisten: Vinaria-Chefredakteur Peter Schleimer, Weinpblizist Peter Weirather, Andi Kollwentz, Willi Bründlmayer. Brigitta und Karl Steininger.
Es geht los: ÖWM Geschäftsführer Willi Klinger und Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager geben den Startschuss zur Verleihung der Auszeichnungen.
Der besondere Mix macht es aus
Durch den Nominierungsmodus des SALON ergibt sich für Weinfreunde und Genießer ein besonderer Mix. Einerseits die arrivierten, bekannten Weingüter mit ihren vielfach ausgezeichneten Spitzenweinen, andererseits aber eine prall gefüllte Fundgrube mit Neu-Entdeckungen, jungen Winzern die erstmals richtig aufzeigen und vielen Weinen, die großen Trinkspaß mit einem tollen Preis-Leistungsverhältnis bieten.
Zu entdecken gibt es das alles hier:
14.6.2017 Kursalon Hübner, Wien
21.6.2017 Tabakfabrik, Linz
28.6.2017 Salzraum, Hall in Tirol
Weinviertler Familientreffen: Johannes Hofbauer-Schmidt mit Weinviertel-DAC-Geschäftsführerin Ulli Hager, Petra Hofbauer-Schmidt, Weinkönigin Christina Hugl, Teresa Hofbauer-Schmidt und Leopold Hofbauer-Schmidt.
Fachsimpeln über die kürzlich in Szene gegangene Pet-Nat-Präsentation mit Winzerin Birgit Braunstein und der Präsidenten des Österreichischen Sommeliervereins Annemarie Foid.
Die 15. Weinviertel DAC Präsentation lockte rund 3.300 Weinfreunde und -innen! in die Wiener Hofburg. Die brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. Das Weinviertel, in dem der Frost zwar ebenfalls Schäden anrichtete, das in Summe aber noch glimpflich davonkam, konnte auch qualitativ einen hochkarätigen Jahrgang 2016 einschenken. Die Weinviertel DAC’s 2106 zeigen sich harmonisch, mit reifer, animierender Säure und viel Würze – jetzt schon schön zu trinken und vielseitig einsetzbare Speisenbegleiter. Interessante auch die Weinviertel DAC Reserven mit Jahrgang 2015 und älter. Komplexe, vielschichtige Weine, die über Jahre noch an Charakter und Harmonie zulegen.
Andreas Ott aus Hagenbrunn beweist, dass man einen Top-Heurigen betreiben und zugleich tolle Wein machen kann.
Fritz Wieder, vulgo Weinrieder, hat nicht nur Weltklasse-Eisweine im Keller, sondern auch hervorragende DAC’s.
Freuen sich über das hohe Niveau der 2016er DAC’s: Landesrat Karl Wilfing, Weinkomitee-Weinviertel-Geschäftführerin Ulli Hager, Obmann Hans Setzer und Wirtsausführer-Herausgeber Klaus Egle.
Petra und Leopold Hofbauer-Schmidt luden mit ihren Weinviertel-DAC-Reserven von 2015, 2013 und 2009 zu einer köstlichen Zeitreise.
Weinbaumeisterin Daniela Fabianek aus Roseldorf zeigte mit ihrer Weinviertel DAC Reserve vom Berg 2009, dass diese Weine über ein großes Reifepotenzial verfügen.
Tomas Taubenschuss aus Poysdorf hatte zwei beeindruckende Magnums im Gepäck: Die Weinviertel DAC Reserven von 2011 und 2009 erwiesen sich als große, komplexe und zeitlose Weine.
Das Weingut Schödl in Loidesthal ist ein junger, aufstrebender Betrieb, in dem man auch neue Wege geht: Die Weinviertel DAC Reserve 2014 wurde teilweise im Betonei und teilweise im Akazienfass ausgebaut.
Die große Jahrgangspräsentation der Wein Burgenland in der Wiener Hofburg bot rund 750 Weine von knapp 150 Winzern – und hervorragende Qualitäten mit Weißweinen der Jahrgänge 2015 und 2016 und Roten, die vor allem von 2013 und 2014 stammen. Mehr als 2.300 Besucher nahmen diese Möglichkeit wahr, sich persönlich von der Güte der neuen Weine zu überzeugen. Eine Nachlese.
Christine Lentsch aus Podersdorf brillierte mit Pinot noir und Pinot gris.
Top-Rotweinqualität seit vielen Jahren liefert René Pöckl aus Mönchshof.
Paul Rittsteuer aus Neusiedl am See kann es in weiß und rot.
Helene Tesch aus Neckenmarkt hatte unter anderem einen exzellenten Blaufränkisch Selection 2013 im Gepäck.
Die junge Jaqueline Klein aus Andau zeigte mit tollen Rotwein-Cuvées auf.
Johannes Nehrer aus Eisenstadt fängt mit seinen Weiß- und Rotweinen des spezielle Terroir des Leithagebirges perfekt ein.
Kurt Feiler vom Weingut Feiler-Artinger bietet Top-Weine in weiß, rot und süß.
Schinken-Guru Otmar Tschürtz, hier mit Wirtsausführer-Herausgeber Klaus Egle, sorgte für die kulinarische Begleitung.
Sekt ist nicht gleich Sekt – ein besonders köstliches Exemplar habe ich im Weingut Zuschmann-Schöfmann in Martinsdorf im Weinviertel entdeckt. Die besonders lange Lagerung auf der Hefe verleiht diesem Grünen-Veltliner-Sekt sein feines Mousseux und seine zarte Cremigkeit.
Was macht der überzeugte Weisswein-Trinker in der kalten Jahreszeit, wenn frisch und fruchtig weniger gefragt ist?
Klaus Egle hat dazu ein paar Vorschläge parat. Und wer weiß, so mancher Rotwein-Trinker könnte vor Neid erblassen, wenn er sieht, welche Tropfen sich Weisswein-Liebhaber für die langen Abende genehmigen.
Unser neues Videoformat „Wein mit Egle“: Weinbuch-Autor und Wirtshausführer-Herausgeber Klaus Egle erzählt mit Charme und Witz über Wein, stellt Weine …
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