Mit seinem Rosé 2025 aus Zweigelt und Merlot beweist Johann Gisperg, dass ein Rosé auch mehr sein kann als ein rosafarbenes Zuckerlwasser mit ein bissl Alkohol.
Es ist schon kurios. Der Rosé, der in Österreich und auch anderswo, ausgenommen vielleicht die Provence, jahrzehntelang ein Mauerblümchen-Dasein gefristet hat, liegt voll im Trend und ist gerade jetzt, während der heißen Sommermonate, quasi in aller Munde. Doch seiner ganzen Omnipräsenz zum Trotz hat dieser trinkfröhliche Geselle nicht gerade das beste Image. Das liegt einerseits, daran, dass seine Anwendungsgebiete – irgendwo zwischen Aperitif auf der Terrasse und Begleiter zu mediterranen Fischgerichten – nicht klar definiert sind und der Rosé daher allzu oft den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt, wenn man sich nicht so recht zwischen Weiß- und Rotwein entscheiden kann. Andererseits wird er in vielen Weinbaubetrieben als Nebenprodukt behandelt, das man halt auch im Sortiment hat, weil es gerade gut ankommt.
Kein Gefälligkeits-Rosé
Rosé wird nun einmal nicht als „großer Wein“ angesehen aber das muss er auch nicht sein. Dennoch gibt es Interpretationen zu dem Thema, die nicht nach der Formel „wenig Alkohol x viel Frucht x ein bisschen Restzucker“ in die Gefälligkeitskerbe des Mainstream hauen. So einer ist der Rosé 2025 von Johann Gisperg aus Teesdorf. „Der schmeckt gar nicht wie ein Rosé“, war die erste Reaktion einer Dame in der Tischrunde, der ich diesen Wein zum Verkosten gegeben habe. Und ich denke, Johann Gisperg würde das als Kompliment nehmen, denn genau das ist seine Intention bei diesem Wein. Kühl, frisch und beerenfruchtig kommt er in der Nase daher, aber auch fein würzig, mit einem Hauch von schwarzem Pfeffer. Präsentiert sich dann feingliedrig, animierend, und mit schöner Frucht am Gaumen aber auch mit einem wohldosierten Hauch von Gerbstoff, der ihm Spannung und einen guten Trinkfluss verleiht.
Bewertung: 16/20 Punkte

