Nachhaltig Wirten und Winzern: Nice to have – oder doch mehr?

Die ÖWM (Österreich Wein Marketing) meldet ein Rekord-Niveau an zertifizierten Rebflächen und konstatiert erfreut, dass Österreich seine internationale Vorreiterrolle im umweltbewussten Weinbau weiter ausbaut. US-Außenminister Marco Rubio warf Europa bei der Münchner Sicherheitskonferenz hingegen vor, einen „Klimakult“ zu betreiben. Und wir vom Wirtshausführer haben uns bereits seit dem Jahr 2019 des Themas Nachhaltig Wirten & Winzern angenommen. Wer hat Recht?

Kommentar von Klaus Egle

Als Herausgeber des österreichischen Wirtshausführers begegnet mir das Thema Nachhaltigkeit in der Gastronomie und im Weinbau jeden Tag. Denn seit wir im Jahr 2019 die Initiative Nachhaltig Wirten und später auch Nachhaltig Winzern ins Leben gerufen haben, setzen wir uns intensiv mit dieser Philosophie und den Betrieben, die sie verfolgen oder eben – noch – nicht verfolgen, auseinander. Nicht aus Geschäftsinteresse, denn durch unsere Vorgaben schränken wir unseren potenziellen „Markt“ bewusst ein, sondern weil wir in einem nachhaltigen Denken und Handeln eine ökologische, ebenso wie auch eine ökonomische Notwendigkeit sehen.

Die Ressourcen und die Leidensfähigkeit sind endlich

Dabei denke ich, dass uns die Tragweite unseres Handelns nach wie vor nicht im vollen Ausmaß bewusst ist. Im Grunde ist es wie mit unserem eigenen Körper: Alles was wir in Sachen Sport, Ernährung und Lebensführung tun oder nicht tun, wirkt sich in irgendeiner Form auf ihn aus. Ganz genauso verhält es sich mit unserer Umwelt oder größer gedacht, mit unserem Planeten, dessen Ressourcen ebenso wie seine Leidensfähigkeit endlich sind. Stephen Holmes, Professor für Rechtswissenschaften an der School of Law der New York University, hat es in seinem heute im STANDARD erschienen Kommentar zu Rubios Rede wunderbar auf den Punkt gebracht: „(Klimapolitik) als Kult zu bezeichnen und Klimaschutz-Bemühungen als religiöse Wahnvorstellung abzutun, ist eine spektakuläre Art, zu sagen, dass es sich nicht lohnt, in die künftige Bewohnbarkeit des Planeten zu investieren“.

Österreich ist Weltspitze!

Vor diesem Hintergrund freut mich die positive Bilanz der ÖWM ganz besonders. Der zufolge werden inzwischen 12.324 ha Rebfläche nach dem umfassenden, unabhängig kontrollierten Nachhaltigkeitsprogramm „Nachhaltig Austria“ bewirtschaftet, das entspricht 28 % der gesamten österreichischen Weinbaufläche. Auch in Sachen biologischer Weinbau ist Österreich weiterhin Weltspitze: 25 % der Gesamtrebfläche sind bio-zertifiziert.

Doch was bedeutet das und warum ist es so wichtig?

Chris Yorke, Geschäftsführer der ÖWM, erklärt es ganz pragmatisch aus wirtschaftlicher Sicht: „Nachhaltig Austria ist ein international anerkanntes Gütesiegel im Weinbau. Es steht für klar messbare, nachhaltige Praktiken in allen Wirtschaftsbereichen eines Weinguts. Das hat auch ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile, denn in einigen unserer wichtigsten Exportmärkte, wie Skandinavien oder Kanada, spielen glaubwürdige Umweltzertifizierungen eine immer wichtigere Rolle bei Kaufentscheidungen.“

Und wenn wir schon beim wirtschaftlichen Aspekt sind, möchte ich hier noch auf das immer mehr an Bedeutung gewinnende Thema des Weintourismus verweisen, wo ich mir vorstellen könnte, dass Frau Touristin und Herr Tourist sich von einem lebendigen, blühenden Wein-Garten zweifellos mehr angezogen fühlen, als von einer toten Glyphosat-Wüste.

Saubere Weine aus einer intakten Umwelt

Abgesehen davon, und jetzt werde ich ganz und gar egoistisch, möchte ich gerne saubere Weine aus einer intakten Umwelt trinken und wünsche mir sehr, dass dies auch für die uns nachfolgenden Generationen noch möglich sein wird.

Foto: ÖWM – Robert Herbst