Klaus Egles Wein der Woche: Riesling Smaragd Ried Kalkofen 2017, F.J. Gritsch

Die Riede Kalkofen ist eine Extremlage im hintersten Winkel des Spitzer Grabens – und Franz Josef Gritsch entlockt ihr einen grandiosen Riesling.

Geht’s noch…? Ja, gerade noch. Gemeint ist die Frage, ob man da, wo die Reben der Ried Kalkofen stehen, überhaupt noch Wein anbauen kann. Gleich dahinter beginnt das Waldviertel und da ist das Klima bekanntlich ein bissl zu resch für den Rebstock. Aber in der Ried Kalkofen, einer extrem steilen Terrassenlage hoch oben am Hang, die den ganzen Tag in die Sonne schaut, da geht’s sogar noch sehr gut. Das dachte sich auch der tatendurstige Spitzer Winzer Franz Josef Gritsch und begann im Jahr 2015, gemeinsam mit seinem Projekt-Partner Robert Wutzl, diese alte Weinried zu rekultivieren.

Eine Tradition begründen

Das ist nicht nur deshalb bemerkenswert, weil das ganze Unterfangen eine „Möder-Hack’n” bedeutete, sondern auch, weil die Nomenklatur der großen Lagen in der Wachau ziemlich unverrückbar in den Gföhler Gneis gemeisselt ist. Aber was soll’s, jede Tradition muss schließlich auch irgendwann begründet werden…Und siehe da: Schon nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die Verbindung von Boden (vereinfacht gesagt: verwitterter Gneis, umgangssprachlich als „Urgestein“ bezeichnet sowie Amphibolit), Steilheit, Ausrichtung und das extreme „Reizklima” großartige Voraussetzungen für den Riesling darstellen.

So schmeckt der Kalkofen

Der Riesling Smaragd 2017 Ried Kalkofen hat inzwischen eine wunderbare – erste – Trinkreife erreicht. Im Duft intensive, mineralische Würze, kühle, rauchige Rieslingfrucht, hellfruchtig nach weißem Weingartenpfirsich. Der legendäre Weinpfarrer Johannes Denk hätte wohl dazu gesagt: „Weißes Licht!” Am Gaumen bombastische Fruchtfülle, mit etwas Luft nach (über-)reifen Marillen. Saftig, mundfüllend und mit einer bezwingenden Mineralität mit der er auch die verstecktesten Geschmacks-Papillen erreicht. Die feine Fruchtsüße und die wunderbar eingebundene, reife und animierende Säure runden den Wein perfekt ab. Jetzt super – in Zukunft vielleicht noch besser.

Bewertung: 19,5/20 Punkten