Klaus Egles Wein der Woche: Pinot Noir „Jugend“ 2019, Weingut Allram

Magdalena Haas-Allram vom Weingut Allram in Strass demonstriert mit ihrem Pinot Noir „Jugend“ 2019, dass man Wein ernst nehmen und zugleich einen Riesenspaß damit haben kann.

Ich musste ja zweimal hinschauen. Tatsächlich. In der braunen Schlegelflasche mit der chicen lila Wachskapsel befand sich nicht etwa ein deutscher Riesling, sondern ein Pinot Noir. Aus dem Kamptal! Dürfens denn des? Schaut ganz so aus, denn Magdalena Haas-Allram nimmt es sich heraus, sich nicht viel um Konventionen zu scheren und macht ganz frech ihr eigenes Ding. Klar ist es da ein Vorteil, dass man in so einen tollen und renommierten Betrieb eingebettet ist, dass man auch frisch von der Leber weg Neues wagen kann – überhaupt, wenn man es kann und genau weiß, was man tut. Und das tun die Allrams allesamt. Mit Magdalena und Lorenz ist in dem Traditionsbetrieb die vierte Generation am Werk, ihre Eltern Michaela Haas-Allram und Erich Haas haben den Betrieb auf- und ausgebaut und und ihn vor allem mit ihren Grünen Veltlinern und Rieslingen von Top-Rieden rund um Strass wie Gaisberg, Renner, Wechselberg und Heiligenstein zu einem der besten Weingüter des Kamptals gemacht.

Now to something completely different

Der Pinot Noir „Jugend“ 2019 lässt also schon durch seien Aufmachung erkennen, dass dieser Wein ganz schön aus der Reihe tanzt und die Winzerin schickt auf dem Rückenetikett gleich noch einen „Schen Gruass daham!” mit. Hier die Eckdaten: Spontan vergoren, teilweise Macération Carobonique, als Kohlensäurevergärung der Maische, wie sie etwa beim Beaujolais Nouveau angewendet wird um die Fruchtigkeit zu fördern, im Eichenfass gereift und unfiltriert abgefüllt. Das Ergebnis ist ein Wein, der schon im Duft mehr als nur neugierig macht: Frische, rote Beeren, wie Ribiseln, Schlehen und Weichseln, feine Würze, kühle Anmutung. Am Gaumen dann mit delikater Frucht, angenehm animierender Säure, frisch und fröhlich zu trinken aber dennoch mit Niveau. Fazit: Nach der Verkostung noch mit Freunden probiert und die Flasche war ratzfatz leer… ganz nach dem Motto am Etikett: „Weinsam statt einsam”.

Bewertung: 18/20 Punkte