Klaus Egles Wein der Woche: Franz Zottlöderer, Neuburger 2016

Der Neuburger ist ebensowenig Mainstream wie das Weingut von Franz Zottlöderer aus Straß, der schon vor dreißig Jahren Vieles von dem vorweggenommen hat, was heute als neuester Trend gefeiert wird.

Gut, Künstleretiketten stehen heute vielleicht nicht mehr so hoch im Kurs. Aber als Franz Zottlöderer, generell nicht nur dem Rebensaft, sondern auch der Kunst verbunden, damit angefangen hat, war das revolutionär. So war Zottlöderer bereits vor dreißig Jahren ein wichtiger und visionärer Player in der heimischen Weinszene.

Die natürliche Produktion ergibt sich von selbst

Er hat bereits damals schon viel von dem umgesetzt, das heute entweder „State-of-the-art“ ist oder als neueste Entwicklung (wieder-) gefeiert wird. Dazu zählt die naturnahe Bewirtschaftung der Weingärten ebenso wie die spontane Vergärung mit natürlichen Hefen oder die lange Reifezeit der Weine im Fass. Maßnahmen wie schonende Bodenpflege und Weingartenbearbeitung sind hier schon lange selbstverständlich. Abgelehnt wird der Verkauf der Weine über den Großhandel um unabhängig zu bleiben. Ebenso technische Eingriffe in der Weinbereitung oder das Verfolgen von Trends wie Bio-Weinbau. Motto: „Die natürliche Produktion ergibt sich von selbst!”

Dem Neuburger treu geblieben

Die Zottlöderers gehen jedenfalls unbeirrt ihren eigenen Weg und dazu gehört es auch, Sorten die Treue zu halten, die nicht im Trend liegen, wie dem Neuburger. Der bringt hier immer spannende Weine, die durchaus zur Ehrenrettung dieser Sorte geeignet sind. Der Neuburger 2016 Strasser Ried Gaisberg ist da geradezu noch ein Jungspund, wenngleich ein durchaus ernst zu nehmender Wein. Im Duft mit einer feiner, nussiger Würze und saftigen Obstnoten präsentiert er sich am Gaumen vollmundig, mit weicher Textur und einer reifen, angenehme Säure. Mit seinem schönen Trinkfluss ist er ein angenehm zu trinkender Wein und universell einsetzbarer Speisenbegleiter.

16/20 Punkte

Jetzt trinken – mit Potenzial für weitere fünf bis zehn Jahre