Klaus Egles Wein der Woche: Blaufränkisch Reserve 2011 L1, Weingut Lang

„Guter Wein braucht Lang”, so die Maxime des Weinguts Lang in Neckenmarkt. Nach Verkostung der Blaufränkisch Reserve „L1″ vom großen Rotweinjahrgang 2011 füge ich ein Zitat von Ovid hinzu: „Was lange währt, wird endlich gut!“

Bei der laufenden Übersiedlung meines Weinkellers stach dieses Flasche im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Weinregal hervor. Mit seinen überlangen, schlanken Flaschen wirkte Stefan Lang damals geradezu stilbildend, dem Gedanken folgend, dass ein wirklich guter Wein auch ein Aufsehen erregendes Packaging verdient. Ein Blick auf die Jahreszahl am Etikett ließ in mir spontan die Idee aufkeimen, den Wein erst gar nicht wieder in einem Regal verschwinden zu lassen… 2011 ist mir als warmes Jahr mit einem sonnigen, trockenen Herbst in Erinnerung – Blaufränkisch, was willst Du mehr?

Ein Wein vom Herzstück

Also war es beschlossen – man muss ja auch von Zeit zu Zeit stichprobenartig kontrollieren, wie es den Kellerschätzen so geht. Die Trauben für den Wein stammen von der Lage Hochberg, das ist eine noble Herkunft. Eine der besten Lagen des Mittelburgenlandes, die quasi des Herzstück der Neckenmarkter Rieden bildet – hoch gelegen, mit lehmigen Böden und hohem Kalkanteil. Traubenreife war in diesem Jahrgang kein Thema und was die Haltbarkeit dieses Weines angeht, so kann ich nur betonen, dass ich ihn aus Lust und Interesse geöffnet habe und nicht etwa, weil die Zeit drängt.

Aus einem Guss

Aufgemacht und ohne dekantieren sofort eingeschenkt präsentierte er sich im Duft dunkelbeerig, mit feinen Rauch-Aromen (französische Barriques!), Anklängen von Rumtopf, Dörrobst und edler Bitterschokolade. Am Gaumen dann dicht und stoffig, fruchtsüß, Brombeeren, schwarzer Pfeffer, mit reifem, perfekt eingebundenem Gerbstoff, der ihm trotz seiner Power noch gehörig Trinkfluss verleiht. Ein Wein aus einem Guss und aktuell ganz großer Genuss.

Bewertung: 19/20 Punkte