Bundesweintaufe 2026: Ein Jahrgang mit Leib und Seele

Weniger Trauben, dafür umso mehr Charakter: Mit diesem Versprechen ging der Jahrgang 2026 bei der Bundesweintaufe im Wiener Rathaus an den Start. Gefeiert wurden an diesem Abend aber nicht nur die jungen Weine: Barbara van Melle erhielt den Bacchuspreis, und Josef Glatt wurde nach 32 Jahren an der Spitze des Weinbauverbands verabschiedet.

Qualität vor Quantität: Selten hat diese alte Weisheit so gut gepasst wie heuer. Im Wiener Rathaus traf sich die heimische Weinszene. Unter den Gästen waren Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, Bürgermeister Michael Ludwig, Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager und sein Wiener Amtskollege Norbert Walter. Charmant durch das Programm führte Bundesweinkönigin Maria IV., Maria Liegenfeld. Für Chris Yorke, Chef der Österreich Wein Marketing, steht fest, dass der neue Jahrgang schon jetzt viel zu erzählen hat.

Kleine Ernte – großer Jahrgang

Die Reben starteten früh ins Jahr, dann brachten Hitze und wochenlange Trockenheit die Weingärten an ihre Grenzen. In vielen Kellern landete daher weniger Lesegut als sonst. Umso erfreulicher ist, was davon übrig blieb: gesunde, reife Trauben im Topzustand. Johannes Schmuckenschlager sieht darin einen Beweis für das Können der heimischen Winzer:innen: Gerade in schwierigen Jahren zeige sich, wie viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl im österreichischen Weinbau stecken. Chris Yorke verspricht Weinfreunden „charakterstarke Weine mit viel Persönlichkeit“, und zwar bei Weiß wie bei Rot.

Bacchuspreis für Barbara van Melle

Seit über 50 Jahren werden mit dem Bacchuspreis Menschen geehrt, die dem österreichischen Wein besondere Dienste erwiesen haben. Heuer ging er an eine Frau, die Genuss seit jeher mit Haltung verbindet. Barbara van Melle hat als Journalistin und Buchautorin unzähligen kleinen Produzentinnen und Produzenten eine Bühne gegeben. Als Wegbereiterin von Slow Food in Österreich hat sie zudem dafür gesorgt, dass der Wiener Gemischte Satz als „Presidio“ international Beachtung findet. Mit diesem Förderprogramm schützt Slow Food weltweit traditionelle Lebensmittel und Weine, die handwerklich erzeugt werden und eng mit ihrer Herkunft verbunden sind. Norbert Walter würdigte in seiner Laudatio, dass sie Genuss, Handwerk und Herkunft verbindet „wie kaum eine andere“. Den Namen des Bundesweins durfte die Preisträgerin selbst wählen: Dompfarrer Toni Faber taufte ihn auf „Leib und Seele“.

Foto (v.l.n.r.): Chris Yorke (Geschäftsführer ÖWM), Johannes Schmuckenschlager (Österreichischer Weinbaupräsident), Barbara van Melle (Bacchuspreisträgerin 2026), Norbert Walter (Wiener Weinbaupräsident)
Foto (v.l.n.r.): Chris Yorke (Geschäftsführer ÖWM), Johannes Schmuckenschlager (Österreichischer Weinbaupräsident), Barbara van Melle (Bacchuspreisträgerin 2026), Norbert Walter (Wiener Weinbaupräsident)

Mit Weitblick und Leidenschaft: Abschied für Josef Glatt nach mehr als drei Jahrzehnten

Zu einem besonders emotionalen Moment wurde die Verabschiedung von Josef Glatt. Mehr als drei Jahrzehnte stand er an der Spitze des Österreichischen Weinbauverbands, Ende Oktober ging er in Pension. In dieser Zeit hat er den Aufstieg des österreichischen Weins zur international geschätzten Qualitätsmarke entscheidend mitgestaltet. Bundesminister Norbert Totschnig hob in seiner Laudatio Glatts unermüdlichen Einsatz und seine verbindende Art hervor. Neben dieser Würdigung zeichnete Minister Totschnigg in Vertretung des Bundespräsidenten Josef Glatt mit dem goldenen Verdienstkreuz für besondere Verdienste um die Republik Österreich aus. Viele langjährige Weggefährtinnen und Weggefährten nutzten die Gelegenheit, sich persönlich bei ihm zu bedanken.

Johannes Schmuckenschlager (Österreichischer Weinbaupräsident), Michael Ludwig (Wiener Bürgermeister), Josef Glatt (Direktor des Österreichischen Weinbauverbands bis Oktober 2026), Norbert Totschnig (Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft), Stephan Pernkopf (Niederösterreichischer Landeshauptfrau-Stellvertreter)

Fotos: © ÖWM / Anna Stöcher