Anton Bauer ist am Wochenende im Alter von 54 Jahren verstorben. Die österreichische Weinszene verliert damit einen ihrer besten Köpfe.
Der Weinbau war Anton Bauer nicht in die Wiege gelegt. Seine Eltern betrieben bis in die Achtzigerjahre einen kleinen, gemischten landwirtschaftlichen Betrieb, wie das damals am Wagram üblich war und dazu gehörten auch bescheidene 3 Hektar Rebflächen. Eine glänzende wirtschaftliche Perspektive bot das nicht, zumal der Wagram noch längst kein eigenständiges Weinbaugebiet war und selbst Kenner der Szene dort auch nicht das Potenzial für große Weine verortet hätten. Doch hatte er als junger Mann in Burgund eine ganz andere Weinwelt erlebt und als er 1992 den elterlichen Betrieb übernahm, tat er das bereits mit einer klaren Vision: Spitzenweine am Wagram zu keltern, die sich mit den besten im Land messen könnten.
Mut, Neugier und Konsequenz
Bereits damals kristallisierte sich heraus, was den Winzer und Menschen Anton Bauer später ausmachen und auszeichnen würde: Eine große Autarkie des Denkens und eine hundertprozentige Konsequenz des Handelns wenn es um die Qualität seiner Weine ging. Außerdem Mut und eine unstillbare Neugier, die ihn immer wieder dazu motivierte, um die nächste Ecke zu schauen. Dabei schreckte er auch vor radikalen Entscheidungen nicht zurück. Den Schankwein als wichtigsten Umsatzträger eliminierte er im Jahr 1995 quasi über Nacht, weil er erkannt hatte, dass diesen Weinen und auch deren Erzeugern keine Wertschätzung entgegengebracht wurde und immer nur der Preis für eine Kaufentscheidung relevant war. Von da gab es für ihn nur noch einen Fokus: Maximale Qualität.
Das stille Potenzial des Wagrams
Ganz entgegen der gängigen Ansicht, dass der Wagram nur ein guter Boden für Weißwein sei, sah Bauer in den sonnigen und dem Wind ausgesetzten Südhängen des Feuersbrunner Weingebirges ein großes Potenzial für Rotweinsorten und pflanzte von Anfang an in geeigneten Standorten Pinot Noir, Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot und sogar Blaufränkischen. Dass dies von manchen mit Skepsis betrachtet wurde, irritierte Bauer keineswegs, denn er folgte keinen kurzlebigen Trends, sondern langfristigen Zielen, die er mit größter Akribie und Sorgfalt zu erreichen gedachte. Während seine ersten Rotweine Kunden und Kenner spätestens ab dem hervorragenden Jahrgang 1997 in Entzücken und Staunen versetzen, gelang ihm mit seinen Weißen der Durchbruch auf dem amerikanischen Markt wo von da an ein Großteil seiner Weine hinwanderte. So kam es zur paradoxen Situation, dass Anfang der Zweitausender Jahre das Weingut Anton Bauer in den USA bekannter war als in Österreich.
Nur das Beste für den Wein
In der Folge etablierte Bauer seine Weine aber mit unermüdlichem Einsatz als Präsentator und Kommunikator auch am heimischen Markt. Dabei war er nie ein Mann der großen Worte, sondern ließ lieber seine Weine für sich sprechen, die heute in vielen hervorragenden Häusern vom Arlberg über Kitzbühel bis Wien geradezu zum Pflichtprogramm gehören. Strikte Handlese, sorgfältigste Selektion der Trauben im Keller und individueller Ausbau in hochwertigsten Gebinden vom Betonei bis zu den besten Barriques, die in Frankreich zu bekommen sind, sorgen dafür, dass es im Weingut Bauer so etwas wie Basis-Wein eigentlich gar nicht gibt. Denn auch ein ganz klassischer Grüner Veltliner bereitet hier mit seiner Präzision und Klarheit ganz einfach großes Trinkvergnügen. Genau das trifft aber bei all ihrer Komplexität ebenso auf die hochwertigsten Weine des Sortiments zu.
Das Weingut als Ort der Begegnung
Diese Trinkfreude war zweifellos auch das Ziel von Anton Bauers Weinschaffen, das nicht zufällig reich an Auszeichnungen war: von internationalen Höchstwertungen für Pinot Noir und Blaufränkisch über den mehrmaligen Österreich-Sieger mit dem Cabernet Sauvignon bis zur Ehrung als Winzer des Jahres durch den Wirtshausführer (2015) und Weingut des Jahres durch das Falstaff Magazin (2017). Eitelkeit war ihm freilich fremd, er blieb immer ein Winzer zum Anfassen, ein Mann, der das gute Glas Wein unmittelbar mit dem guten Gespräch in Verbindung brachte. Die Tür des Weinguts in Feuersbrunn stand stets offen und für viele Weinfreunde und -kenner war der Bauersche Verkostungsraum so etwas wie das verlängerte Wohnzimmer. Legendär (übrigens auch der Name einer seiner besten Weinkreationen) war die Großzügigkeit von Anton Bauer der keine trockenen Vorträge hielt, sondern die vielen Diskussionen rund um den edlen Rebensaft die hier stattgefunden haben, stets mit Beigabe bester Weine in unlimitierter Menge garnierte. Sein Credo dabei war immer: Ein Weingut ist nicht nur ein Platz, wo man Wein verkostet und kauft, sondern ein Ort der Begegnung.
Immer ein offenes Ohr
Diese Großzügigkeit und seine Herzlichkeit zählten zu den hervorstechendsten Charaktermerkmalen des Menschen und der Winzerpersönlichkeit Anton Bauer. Egal ob es um ein Brunnenprojekt in Kalkutta oder eine neue Lichtanlage für den Sportplatz von Haitzendorf ging. Wer ein Anliegen hatte, fand bei ihm stets ein offenes Ohr.
Vor wenigen Tagen hat sein großes Herz für immer aufgehört zu schlagen.
Das Weingut wird weitergeführt
Das Weingut Anton Bauer wird in der 2025 neu konstituierten Eigentümerstruktur und vom bewährten Team im Sinne von Anton Bauer weitergeführt.

