Klaus Egles Wein der Woche: Grauburgunder 2011 Oberburgstall, Weingut Harkamp

Unser Koch-Projekt, Huhn mit Quitte und exotischen Gewürzen, ließ mich etwas ratlos vor dem Weinregal stehen. Dann griff ich zu einem Grauburgunder 2011 Oberburgstall von Hannes Harkamp – und war geradezu perplex.

Diese Flasche hat eigentlich nur so lange in meinem Keller überlebt, weil auf dem Rückenetikett zum Thema Alkoholgehalt die ziemlich abschreckende Zahl „15“ prangt. Umso überraschter war ich, dass Hannes Harkamps Grauburgunder 2011 nicht wie vermutet den Bihänder schwingt, sondern eine durchaus feine Klinge führt. Dies ist umso erstaunlicher, als 2011 ein besonders heißer Jahrgang war und der Grauburgunder tendenziell eine Sorte mit geringem Säuregehalt ist, der in warmen Jahren gerne breit und fad ausfällt. All das trifft auf diesen Wein nicht zu und der Grund dafür ist seine spezielle Herkunft. Die Lage Oberburgstall, übrigens eine der nördlichsten der Südsteiermark, bringt zwar aufgrund ihrer Kesselform und der südlichen Ausrichtung sehr reife Trauben und somit Weine hervor, die aber durch den in der Steiermark raren Muschelkalkboden auch viel Struktur und Grip mitbekommen.

Alles anders als erwartet

Bereits in der Nase kam alles anders als erwartet: Frischer Duft nach Quitten und Kriecherl, etwas Bratapfel, dazu ein exotischer Touch von reifen Zitrusfrüchten. Am Gaumen dann straff, mineralisch und dicht, staubtrocken aber dennoch mit einer gewissen Cremigkeit, kompakt und mit viel Druck, erstaunlich lebendige, absolut reife Säure, die ihm trotz seiner Power eine gewisse Leichtfüßigkeit und Trinkfreudigkeit verleiht. Der Wein steht da wie eine Statue aus einem Guss und ist zweifellos einer der besten Grauburgunder, die ich je getrunken habe. Ach ja, und zu unserem Hendl war er ein echter Hochgenuss!

Bewertung: 19/20 Punkten