Von einem, der nie Koch werden wollte

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Und es dann doch wurde. Alexander Struth vom Restaurant „Blaue Quelle“, einer grenzüberschreitenden Wirtshaus-Institution, erklärt, wie ein Vorarlberger zum Tiroler und ein Wirt zum Koch wurde – und warum er beides noch keinen Tag bereut hat, Erl, Tirol

„Wer zur Quelle gehen kann, gehe nicht zum Wassertopf“. Dieses Zitat soll angeblich von Leonardo da Vinci stammen und vielleicht waren es ja ähnliche Gedanken, die den gebürtigen Vorarlberger Alexander Struth zur „Blauen Quelle“ in Erl in Tirol geführt haben. Koch wollte Struth eigentlich nie werden, „zu heiß, zu laut und der raue Umgangston in der Küche – das hat mir nicht gefallen“, sinniert er im Baumschatten seines weitläufigen Gastgartens bei einem heißen, starken Espresso. Doch dann kam alles anders. In der Tourismusschule Villa Blanka in Innsbruck lernte er Gaby Scherlin, die Tochter der Wirtsfamilie von der Blauen Quelle kennen und lieben und nach einigen Jahren auf Saison stand schließlich fest, dass die beiden das traditionsreiche Haus an der österreichisch-bayerischen Grenze übernehmen würden.

Alexander_Struth_Egle

Frisches_Wasser_Blaue_Quelle

Die „Blaue Quelle“ die ihre türkise Färbung Kiesel-Ablagerungen verdankt, ist ein weitum bekanntes Naturdenkmal und war seit jeher die Lebensader des Anwesens, dessen Geschichte ins 17. Jahrhundert zurückreicht, und das unter anderem eine Mühle, eine Brauerei, ein Sägewerk, eine Bäckerei, eine Metzgerei und einen Kramladen beherbergte. Ein Erbe, das Alex und Gaby Struth umsichtig verwalten, was allein schon die in mehreren Etappen durchgeführten Adaptierungen und Ausbauarbeiten im Haus zeigen, die mit viel Gefühl für die alte Substanz – und immer wieder auch beträchtlicher Eigenleistung – durchgeführt worden sind. Zuletzt entstanden so sehr individuelle Gästezimmer, die historische Elemente mit zeitgemäßem Komfort geschickt verbinden.

„Im Mittelpunkt steht natürlich das Produkt – möglichst frisch, möglichst regional.“

Es lässt sich also gut wohnen hier aber mindestens auch ebenso gut essen – und dafür ist der Mann verantwortlich, der ursprünglich gar nicht in die Küche wollte, Alex Struth. Der liebt heute seinen Beruf, changiert geschickt zwischen regionalen, traditionellen und internationalen Einflüssen, hat ein Faible für die Innereienküche, hebt den Blick aber auch immer wieder über den Tellerrande, wenn etwa asiatische Einflüsse die Vielfalt seiner Küche bereichern. Im Mittelpunkt steht natürlich das Produkt, möglichst frisch, möglichst regional – aber ohne ein unverrückbares Dogma daraus zu machen. „Wir arbeiten sicher fast zu neunzig Prozent mit Produkten aus der Region – aber auf die anderen zehn Prozent will ich nicht verzichten“, erklärt Struth, denn: „Wenn es irgendwo auf der Welt ein tolles Produkt gibt, das wir hier nicht oder nicht in dieser Qualität haben, dann wäre es doch schade, das nicht zu verwenden“. Und er ergänzt mit einem schelmischen Lächeln, das eine zarte Spitze gegen seine neue Tiroler Heimat birgt: „Das beginnt schon beim Bregenzerwälder Bergkäse, der natürlich der beste der Welt ist!“

„Der Bregenzerwälder Bergkäse ist natürlich der beste der Welt!“

So wird einem beim Essen in der Blauen Quelle nicht fad: Regenbogenforelle aus dem eigenen Kalter in unterschiedlichsten Zubereitungsarten, oder kurz gegrillte Jakobsmuschel mit Avocado, Tomate und Zitrone, Blutwurstgröstl mit Kren und Salat oder Risotto mit Pfifferlingen und Büffelmozzarella, Tiroler Schlutzkrapfen oder ein Rib-Eye-Steak aus Nebraska mit Süßkartoffel-Pommes frites und Salat. Kein Wunder, dass hier Gäste aus Österreich ebenso gerne einkehren wie die aus dem nahen Bayern, Einheimische genauso wie Gäste und Akteure des Erler Festspielhauses – vom Klempner bis zum Komponisten sozusagen. Das ist natürlich nicht zuletzt auch ein Verdienst von Gaby Struth, die den Service mit Drive und Freundlichkeit leitet. Für jeden Gast das passende Wort, für jedes Gericht der passende Wein. Der ist ein Steckenpferd der beiden Wirtsleute: Neben großen Namen warten sie ihren Gästen auch immer wieder weniger bekannte Fundstücke von ihren Weinreisen auf und weil Gabys Familie aus Südtirol stammt, spielt natürlich der Wein aus Südtirol und den wichtigsten italienischen Weinregionen ebenfalls eine wichtige Rolle.

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Wirtshausführer 2017 Präsentation 13.09.2016
Die Höchste Auszeichnung, die der Wirtshausführer zu vergeben hat: Klaus Egle und Renate Wagner vom Wirtshausführer, Landeshauptmann Günther Platter und Stefan Bletzacher von der Firma Römerquelle gratulieren den Preisträgern, Gaby und Alex Struth.

So viel Engagement wird belohnt, nicht nur durch eine mehr als zufriedene Gästeschar, sondern auch durch verschiedene Auszeichnungen von Hauben über Kochlöffel bis zum „Aufsteiger“„Weinwirt“ und schließlich sogar „Wirt des Jahres“ beim Wirtshausführer. Am Boden sind die beiden sympathischen Wirtsleute dennoch geblieben, deren wichtigster Antriebsmotor die Freude an ihrer Arbeit und der tägliche Kontakt mit ihren Gästen ist.

Gasthof_Blauequelle_Egle

 

Hotel*** Gasthof Restaurant Blaue Quelle
Familie Struth
Mühlgraben 52
A- 6343 Erl
+43 5373 81 28
info@blauequelle.at
www.blauequelle.at

Zu den Detail-Informationen im Wirtshausführer

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